1996-05-15 Molly im Schafstall (5) ( 8)_Kopie

24,5 ft. Catboot “Molly”                                  Transport der Formverleimten Schale aus dem Garten meines Bruders Rolf

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SY HEKLA

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Seggerling Jolle

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Das 4.000 - Stunden Abenteuer

1996-04-15 Neuenhain (4)1
1996-04-15 Neuenhain (2)1

Von 1996 bis 2000, eine wunderbare Zeit in den Obstwiesen von Neuenhain im Taunus.

Wie ein Sechser im Lotto, kam uns die Vermittlung dieses verwarlosten Schafstalles vor. Mit wenigen Mitteln konnten wir ihn wasserdicht machen. 12 x 22 Meter, ein Paradies für einen Bootsbauer, der ein Dach für seine Maschinen, das Material und den Bootskörper suchte. Und so fühlten wir uns auch, diese herrlichen vier Jahre. Danke an Herrn Eberhard Preis, das Original aus Bad Soden, der die geringe Pacht kassierte, obwohl es ihm gar nicht gehörte und herzlichen Dank an Familie Fedra, die das tolerierte und zu der wir ein sehr gutes Verhältnis hatten. Man braucht halt Glück im Leben. Hedi konnte das Gelände zu Fuß in 40 Min. erreichen und ich konnte nach Hause zum Mittagessen, was willst du mehr.

... Und eigentlich kam es so:

Weihnachten 94/95 bekamen wir von  meinem Bruder Rolf eine hübsche, selbst gemalte Weihnachtskarte in  Aquarell. Die mir so gut gefiehl, daß ich sie in unserem Arbeitszimmer  über dem PC anpinnte, das mehr einer Seglerklause ähnelt, als dem oben  genanntem Zweck, wenn darin nicht gerade gebügelt, gästegeschlafen,  gefeiert oder gebuchhaltert wird. Deshalb kam es mir nicht mehr aus den  Augen, das hübsche Aquarell. Die Molly ein Traum für den Weihnachtsmann? Dabei stand sie als Rohbau doch schon einige Jahre, erst in der  zweckentfremdeten Garage des großmütigen Schwiegervaters und dann im  Obstgarten der gleichen Familie. Aber wie das so ist. Mein Bruder hatte  sich selbständig gemacht als die Rumpfschale halb fertig war, die Zeit  rannte ihm weg, die Schale machte er jedoch dann letztlich fertig und  stellte sie zum Ausbau in den Garten... Die Zeit verfloß, für den  aufwendigen Ausbau war nun keine Zeit und vermutlich auch kein Nerv mehr da. Ich konnte mir das gut vorstellen, ich hatte schon zwei Ausbauten  mit je ca. 2000 Arbeitsstunden hinter mir. Einen schwedischen Kurzkieler “€žForgus 35", (10,40 m) ein Kunststoffrumpf mit Deckinnenschale; und  eine "Mittschwertyacht" Typ "Jantin, Koopmans 38", aus Aluminium; ein  Traumschiff für Fahrtensegler. Dieses sehr schöne und sehr gut segelnde  Schiff mußte ich leider aus finanziellen Gründen nach einem Jahr  verkaufen, weil ich mich selbständig gemacht hatte und die laufenden  Kosten, auch die Bedienung der Bank, ein zu großer Brocken für unsere  kleine Familie und die Portokasse geworden war. Das haben mir einige  Clubkameraden bis heute nicht abgenommen, sie glauben immer noch, daß  der Verkauf für mich ein Geschäft gewesen wäre, wenn die wüßten. Der  schnelle Verkauf wirkte, wie gesagt nicht nur für uns, wie ein Schock  nach den über 2.000 abgeleisteten Arbeitsstunden, neben meinem nicht  leichten Job als Abteilungsleiter im Marketingbereich einer  Maschinenfabrik, wo es auch abends oft sehr spätt wurde. Aber Tatsachen  sind nun einmal härter als Träume. Gott sei Dank, kann ich so etwas gut  wegstecken. In einer guten Bilanz können durchaus auch verlustreiche  Jahre auftauchen. Inzwischen waren wieder 5 Jahre vergangen, wir hatten  uns finanziell erholt und ich blätterte wieder in der “€žYacht" und den  Prospekten. Jedenfalls hatte Hedi, meine Frau seit 34 Jahren, diesen  Eindruck. Als es im Garten bei Rolf mit der “€žMolly" nicht weiterging,  sprachen wir gelegentlich von der Möglichkeit, daß ich eigentlich die  Holzschale übernehmen könnte, dann hätte ich wieder was zum Bauen und  würde aufhören zu Blättern, was sie ganz nervös machte. “€žRolf wird den  Rumpf niemals verkaufen!", meinte Hedi aus voller überzeugung und  stiller Hoffnung. €”Abwarten und Tee trinken", sagte ich und war im  stillen schon vom Gegenteil überzeugt. Rolf hatte den Rumpf angefangen  bevor er die “€žHEKLA" (Forgus 35) von mir abkaufte, vor ca. 17 Jahren.  Nun hatte er zwei Boote, eins zum Segeln in Großenbrode und eins in der  Garage zum Bauen. Die “€žMOLLY" ist ein sogenanntes “€žCat-Boat", in  Deutschland auch unter €”Seezunge" bekannt, konstruiert von Günter  Ahlers, gelernter Bootsbauer, jetzt Chefvermesser beim DSV und  Konstrukteur. Er hatte diesen Riss einmal in der Yacht vorgestellt und  mein Bruder hatte Feuer gefangen. Wenig später stand das Mallengerüst in der Garage seines Schwiegervaters Willi, der von nun an seinen Audi vor der Garage parkte, weil auch er damit einen Jugendtraum nach der  Seefahrt “bei der Hand" erfüllt sah, diesen kleinen Unbill nahm er  deshalb dafür gern in kauf. Was Willi nicht ahnen konnte, daß sich diese Übergangslösung über Jahre hinziehen würde und sein Audi die Garage nie mehr von innen erleben würde. Meinen Bruder Rolf nahm nämlich die neu  erworbene “€žHEKLA" in nicht geahnter Weise seine gering bemessene freie  Zeit in Anspruch, sondern auch die neu begonnene Selbständigkeit und die Zeit läuft schnell, vor allem, wenn man keine hat. So kam es, daß mir  Hedi, vor unserem vorweihnachtlichem Familientreffen den kleinen Finger  reichte, mit der leichtsinnigen Bemerkung: "Frag doch mal den Rolf, ob  er nicht die “€žMOLLY"-Schale verkauft, ich glaube es allerdings nicht",  fügte sie gleich hinzu. Ich war da allerdings anderer Meinung. Erstens  wurde die Schale, aus diagonal verleimten 2 x 6 mm Lärche und einmal  Mahagoni-Längs-Planken, durch das lange unversiegelte Lagern im Freien,  nur mit einer überdachung versehen, nicht besser. Und zweitens blieb die “€žMOLLY" in der Familie. Und so kam es dann auch.

Jetzt fragen mich viele warum ich mir ausgerechnet so einen ausgefallenen Bootstyp ausgesucht hätte? ( 7,5 m  langem Großbaum!), da müssen sie meinen Bruder fragen, denn er hat sie  sich ausgesucht, nicht ich. Die Molly hat natürlich schon entscheidende  Vorteile als Fahrtenschiff, wenn man keine Weltumsegelung vor hat. Es  ist ein Schwertschiff mit 600 kg Außenballast im Totholz, zuzüglich 200  kg als Schwert, also bestens für Binnen- und Küstengewässer geeignet,  nicht zu groß, es hat eine enorme Formstabilität, sehr viel Platz in der Kajüte/Salon, eine riesen Plicht und einen bequemen Niedergang. Alles  Weitere konnte der Selbstbauer selbst bestimmen. Also gute  Voraussetzungen für unser Lebensalter, Hedi und ich bringen zusammen  immerhin 130 Jahre aufs Schiff und da sollte es schon etwas gemütlicher  zugehen, ohne daß ich auf gutes Segeln verzichten möchte. Ein Gutes  haben eben auch Findelkinder, man muß sie nehmen wie sie sind und daraus das Beste machen. Es ist eben wie es ist, die Liebe kommt hoffentlich  beim aufziehen und die schwierigsten, sind oft die liebsten Kinder, das  hoffen wir nun auch bei der €”MOLLY", basta! Damit sind die Frager zwar  nicht zufrieden, verkneifen sich aber Weitere.

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