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... Und eigentlich kam es so:
Weihnachten 94/95 bekamen wir von meinem Bruder Rolf eine hübsche, selbst gemalte Weihnachtskarte in Aquarell. Die mir so gut gefiehl, daß ich sie in unserem Arbeitszimmer über dem PC anpinnte, das mehr einer Seglerklause ähnelt, als dem oben genanntem Zweck, wenn darin nicht gerade gebügelt, gästegeschlafen, gefeiert oder gebuchhaltert wird. Deshalb kam es mir nicht mehr aus den Augen, das hübsche Aquarell. Die Molly ein Traum für den Weihnachtsmann? Dabei stand sie als Rohbau doch schon einige Jahre, erst in der zweckentfremdeten Garage des großmütigen Schwiegervaters und dann im Obstgarten der gleichen Familie. Aber wie das so ist. Mein Bruder hatte sich selbständig gemacht als die Rumpfschale halb fertig war, die Zeit rannte ihm weg, die Schale machte er jedoch dann letztlich fertig und stellte sie zum Ausbau in den Garten... Die Zeit verfloß, für den aufwendigen Ausbau war nun keine Zeit und vermutlich auch kein Nerv mehr da. Ich konnte mir das gut vorstellen, ich hatte schon zwei Ausbauten mit je ca. 2000 Arbeitsstunden hinter mir. Einen schwedischen Kurzkieler “€žForgus 35", (10,40 m) ein Kunststoffrumpf mit Deckinnenschale; und eine "Mittschwertyacht" Typ "Jantin, Koopmans 38", aus Aluminium; ein Traumschiff für Fahrtensegler. Dieses sehr schöne und sehr gut segelnde Schiff mußte ich leider aus finanziellen Gründen nach einem Jahr verkaufen, weil ich mich selbständig gemacht hatte und die laufenden Kosten, auch die Bedienung der Bank, ein zu großer Brocken für unsere kleine Familie und die Portokasse geworden war. Das haben mir einige Clubkameraden bis heute nicht abgenommen, sie glauben immer noch, daß der Verkauf für mich ein Geschäft gewesen wäre, wenn die wüßten. Der schnelle Verkauf wirkte, wie gesagt nicht nur für uns, wie ein Schock nach den über 2.000 abgeleisteten Arbeitsstunden, neben meinem nicht leichten Job als Abteilungsleiter im Marketingbereich einer Maschinenfabrik, wo es auch abends oft sehr spätt wurde. Aber Tatsachen sind nun einmal härter als Träume. Gott sei Dank, kann ich so etwas gut wegstecken. In einer guten Bilanz können durchaus auch verlustreiche Jahre auftauchen. Inzwischen waren wieder 5 Jahre vergangen, wir hatten uns finanziell erholt und ich blätterte wieder in der “€žYacht" und den Prospekten. Jedenfalls hatte Hedi, meine Frau seit 34 Jahren, diesen Eindruck. Als es im Garten bei Rolf mit der “€žMolly" nicht weiterging, sprachen wir gelegentlich von der Möglichkeit, daß ich eigentlich die Holzschale übernehmen könnte, dann hätte ich wieder was zum Bauen und würde aufhören zu Blättern, was sie ganz nervös machte. “€žRolf wird den Rumpf niemals verkaufen!", meinte Hedi aus voller überzeugung und stiller Hoffnung. €”Abwarten und Tee trinken", sagte ich und war im stillen schon vom Gegenteil überzeugt. Rolf hatte den Rumpf angefangen bevor er die “€žHEKLA" (Forgus 35) von mir abkaufte, vor ca. 17 Jahren. Nun hatte er zwei Boote, eins zum Segeln in Großenbrode und eins in der Garage zum Bauen. Die “€žMOLLY" ist ein sogenanntes “€žCat-Boat", in Deutschland auch unter €”Seezunge" bekannt, konstruiert von Günter Ahlers, gelernter Bootsbauer, jetzt Chefvermesser beim DSV und Konstrukteur. Er hatte diesen Riss einmal in der Yacht vorgestellt und mein Bruder hatte Feuer gefangen. Wenig später stand das Mallengerüst in der Garage seines Schwiegervaters Willi, der von nun an seinen Audi vor der Garage parkte, weil auch er damit einen Jugendtraum nach der Seefahrt “bei der Hand" erfüllt sah, diesen kleinen Unbill nahm er deshalb dafür gern in kauf. Was Willi nicht ahnen konnte, daß sich diese Übergangslösung über Jahre hinziehen würde und sein Audi die Garage nie mehr von innen erleben würde. Meinen Bruder Rolf nahm nämlich die neu erworbene “€žHEKLA" in nicht geahnter Weise seine gering bemessene freie Zeit in Anspruch, sondern auch die neu begonnene Selbständigkeit und die Zeit läuft schnell, vor allem, wenn man keine hat. So kam es, daß mir Hedi, vor unserem vorweihnachtlichem Familientreffen den kleinen Finger reichte, mit der leichtsinnigen Bemerkung: "Frag doch mal den Rolf, ob er nicht die “€žMOLLY"-Schale verkauft, ich glaube es allerdings nicht", fügte sie gleich hinzu. Ich war da allerdings anderer Meinung. Erstens wurde die Schale, aus diagonal verleimten 2 x 6 mm Lärche und einmal Mahagoni-Längs-Planken, durch das lange unversiegelte Lagern im Freien, nur mit einer überdachung versehen, nicht besser. Und zweitens blieb die “€žMOLLY" in der Familie. Und so kam es dann auch.
Jetzt fragen mich viele warum ich mir ausgerechnet so einen ausgefallenen Bootstyp ausgesucht hätte? ( 7,5 m langem Großbaum!), da müssen sie meinen Bruder fragen, denn er hat sie sich ausgesucht, nicht ich. Die Molly hat natürlich schon entscheidende Vorteile als Fahrtenschiff, wenn man keine Weltumsegelung vor hat. Es ist ein Schwertschiff mit 600 kg Außenballast im Totholz, zuzüglich 200 kg als Schwert, also bestens für Binnen- und Küstengewässer geeignet, nicht zu groß, es hat eine enorme Formstabilität, sehr viel Platz in der Kajüte/Salon, eine riesen Plicht und einen bequemen Niedergang. Alles Weitere konnte der Selbstbauer selbst bestimmen. Also gute Voraussetzungen für unser Lebensalter, Hedi und ich bringen zusammen immerhin 130 Jahre aufs Schiff und da sollte es schon etwas gemütlicher zugehen, ohne daß ich auf gutes Segeln verzichten möchte. Ein Gutes haben eben auch Findelkinder, man muß sie nehmen wie sie sind und daraus das Beste machen. Es ist eben wie es ist, die Liebe kommt hoffentlich beim aufziehen und die schwierigsten, sind oft die liebsten Kinder, das hoffen wir nun auch bei der €”MOLLY", basta! Damit sind die Frager zwar nicht zufrieden, verkneifen sich aber Weitere.
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